Mit Pauken, Trompeten und Premieren


 

Das erste Jahreskonzert der Stadt Lichtenau begeistert die Zuschauer in der vollbesetzten Altenauhalle – Kulturpreis der Stadt Lichtenau an die „Theattelner“

Euphorische Musiker, verdiente Preisträger und begeisterte Zuhörer: Das erste Jahreskonzert der Stadt Lichtenau war ein voller Erfolg. Zweieinhalb Stunden lang erklangen in der vollbesetzten Attelner Altenauhalle zünftige Marschmusik und gewaltige Konzertklänge von der Blasmusik Atteln, dem Spielmannszug Atteln und dem Jugendorchester Altenautal. Freuen durften sich die „Theattelner“: Nach ihrer zehnten Spielzeit erhielten sie den Kulturpreis der Stadt Lichtenau.

Der Musikverein Atteln hatte einen wunderbaren Rahmen für das erste Jahreskonzert der Stadt Lichtenau geschaffen. Die jüngste Abteilung des Musikvereins, die Theatergruppe  „Theattelner“, hatte die Altenauhalle gemeinsam mit den Musikern wie immer wundervoll und gemütlich hergerichtet – diesmal wurde die Schützenhalle jedoch nicht zum Theater-, sondern zum Konzertsaal. Draußen erinnerten die Temperaturen fast schon an einen lauen Schützenfestabend. Dort, vor der Halle, warteten auch die Musiker der Blasmusik Atteln auf ihren Auftritt. Erstmals seit dem Jubiläumskonzert im Jahr 2011 betraten die 44 Aktiven wieder die Konzertbühne. Rüdiger Düchting, der als Moderator souverän und charmant durch den Abend leitete, begrüßte zunächst die Blasmusiker. Gekleidet in ihren neuen blauen Westen traten sie unter dem Beifall der Gäste ins Scheinwerferlicht. Eine Premiere gab es beim Dirigat: Nach zwei Schützenfestsaisons hielt Andrea Agethen erstmals auch beim großen Konzert vor ihrem Orchester den Taktstock in der Hand. Gemeinsam eröffneten sie den Abend gewaltig mit der „Fanfare for a New Horizon“. Ein festlich gestaltetes Stück, dessen mysteriöse und geheimnisvolle Passagen aber auch Ängste vor dem Fortschritt widerspiegeln. Im Anschluss begrüßten Heinrich Peters, der Vorsitzende des Attelner Musikvereins, und Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann die Gäste. Hartmann, der als passionierter Musiker die Idee eines Jahreskonzerts im Stadtgebiet initiiert hatte, hob in seiner Rede das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikationsrolle hervor, die Musikvereine für ihre Dörfer bedeuten.

Dann wurde es wieder musikalisch, doch die Musiker waren andere: Das Jugendorchester Altenautal begeisterte nicht nur Eltern und Verwandte mit den Stücken „Fluch der Karibik“, „Beauty and the Beast“, „Forrest Gump“ und „Hard Rock Blues“. Für die Zukunft der Blasmusik in Atteln, Henglarn und Husen ist definitiv gesorgt – das bewiesen die Nachwuchsmusiker.
Monatelang hatte sich die Blasmusik Atteln auf diesen Abend vorbereitet. Und so gelang es den Aktiven die Zuhörer mit einem der schönsten und berühmtesten Walzer der Musikgeschichte ins Schwelgen zu versetzen: André Waigneins „The Second Waltz“ schwebte durch die Altenauhalle. Anschließend verdüsterten die vom berühmten Filmmusik-Komponisten Hans Zimmer gesetzten Noten die Stimmung. In „The Pacific“ erinnerten nicht nur Kesselpauken an Bombeneinschläge im Zweiten Weltkrieg. Das Orchester transportierte hier einen musikalischen Spagat zwischen Melodien voll Leid und Hoffnung.
Die folgenden zwei Musikstücke boten da einen Stilbruch. Rock und Pop eroberten die Gehörgänge der Musikfreunde. Zunächst präsentierte die Blasmusik die anspruchsvollen Hits der Band „Toto“ – inklusive des Saxophon-Solos von Alexandra Hustadt. Spätestens  bei „Westernhagen Live!“ konnten dann wohl die meisten Zuhörer mitsingen. „Sexy“, „Willenlos“ und „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ – die Klassiker des vielleicht größten deutschen Rockmusikers rissen mit. Aber auch das emotionale „Freiheit“ mit dem Trompeten-Solo von Thomas Köhler durfte in dem Medley nicht fehlen. Noch vor der Pause bekam die Altenauhalle dann ihre gewohnten Klänge zu hören: „Kronprinz Marsch“, „Military Escort“ und „Grüße aus dem Egerland“ – so lautete das wohlklingende Programm   des Spielmannszugs Atteln, der beim Jahreskonzert der Stadt Lichtenau von der Abteilungsvorsitzenden Andrea Wierzchula angeführt wurde. In eine kurze Pause verabschiedeten sich Blasmusik und Spielmannszug gemeinsam mit dem Marsch „Crans Montana“ – einst von Bürgermeister Josef Hartmann für alle Musikvereine der Stadt Lichtenau zum Familientag des Kreises Paderborn spendiert.

Dann schlug die Stunde der  „Theattelner“. Oder wie es Attelns Ortsvorsteher Heinz Köhler formulierte: „Mit dem Jahreskonzert erlebt die Altenauhalle eine Premiere. Doch Premieren haben die „Theattelner“ schon einige hinter sich.“ Manfred Keuter, der Vorsitzende des Heimatvereins Atteln, erinnerte in seiner Laudatio anekdotenreich an die Anfänge der Gruppe im Jahr 1996 und den ersten Auftritt bei der 1100-Jahr-Feier im Jahr 1997 mit „Die letzte Hexe von Atteln“. Von „Kaviar und Linsen“ 1999 über Krimis und Komödien bis hin zu „Bubblegum und Brillanten“ im Jahr 2014 – zehn Spielzeiten liegen hinter den „Theattelnern“. Die Abteilungsvorsitzende Renate Simon und Regisseurin Christel Bauer ließen das Ensemble und dessen schauspielerische Qualität über Jahre hinweg wachsen und die Zuschauerzahlen steigen. Gemeinsam mit vielen fleißigen Helfern vor und hinter der Bühne wurden die Auftritte so immer wieder zum Erfolg. Manfred Keuter erinnerte aber auch an den Beitrag, den die „Theattelner“ für das Gemeinwohl leisten: Menschen zusammenbringen, Ziele erreichen, den Nachwuchs fördern. Die „Theattelner“ machen Spaß. Das sahen auch der Kulturbeirat der Stadt Lichtenau und das Preisgericht zur Verleihung des Kulturpreises so. Einstimmig sprachen sie sich für die Verleihung des Preises an die Attelner Theatergruppe aus. Wenn das nicht der perfekte Ansporn für die nächste Spielzeit im 20-jährigen Jubiläumsjahr 2016 ist.

Der Weg vom Theater zum Film ist nicht weit und so fügte sich die Blasmusik Atteln im Anschluss an die Preisverleihung mit „Alan Silvestri: A Night at the Movies“ nahtlos an. Michael Brown arrangierte die Filmmusiken des Komponisten Silvestri zu einem Werk, mit dem die Musiker die Gäste aus der Schützenhalle ins Kino entführten. Mit dabei waren unter anderem die Melodien aus „Polarexpress“, „Forrest Gump“ und „Zurück in die Zukunft“. Romantische Klänge und biblische Texte folgten in Leonard Cohens Ballade „Hallelujah“, beim Konzert gesungen von Frederik Voss und Thomas Köhler. Umso schwungvoller der Abschluss: Robin Thicke und Pharrell Williams stürmten mit „Blurred Lines“ die Charts. RnB und Soul funktionieren aber auch mit einer Blaskapelle – zumindest wenn die Musiker das Publikum nicht nur musikalisch, sondern auch mit vollem Körpereinsatz mitreißen.
Das schrie nach mehr: Kurt Gäbles „Rock it“ ließ die Zuhörer zu berühmten Klängen mitklatschen und swingen. Die Blasmusik Atteln verabschiedete sich natürlich mit einem Marsch: Mit dem „Gruß an Würzburg“ verließen die Musiker die Bühne. Für die Zuhörer war das sicherlich nur einer von vielen Ohrwürmern auf dem Heimweg.

Text: Frederik Voss    

Fotos: Sandra Claes